Studie zum Thema Ernährung und Depression

Die Rolle der IgG-vermittelten Nahrungsmittelunverträglichkeit in der Pathogenese und Therapie von depressiven Störungen

Depressionen sind weit verbreitet und betreffen nach Angaben der WHO 350 Millionen Menschen weltweit (Marcus et al. 2012). Verschiedene Faktoren scheinen das Risiko und die Neuroprogression einer depressiven Erkrankung zu erhöhen, wobei auch ein Zusammenhang mit systemischen Entzündungsreaktionen besteht. Dazu gehören: psychosozialer Stress, eine mangelhafte Ernährung, körperliche Inaktivität, Übergewicht, Rauchen, veränderte Permeabilität des Darmes, Schlaf- und Vitamin D-Mangel. Die meisten dieser Faktoren sind plastisch, und daher auch durch therapeutische und präventive Maßnahmen zu beeinflussen. Sie spielen auch bei anderen psychiatrischen Erkrankungen eine Rolle, z.B. bipolaren Störungen, Schizophrenie, Autismus und posttraumatischen Belastungsstörungen (Berk et al. 2013; Moylan et al. 2014).

Depressive Episoden gehen nicht nur mit Änderungen der Neurotransmission im zentralen Nervensystem einher, sondern können auch zu strukturellen Veränderungen im Gehirn führen, durch neuroendokrine, entzündliche und immunologische Mechanismen. In den vergangenen Jahren haben sich die Hinweise gemehrt, dass bei depressiven Patienten die Ernährung einen Einfluss hat auf das Leaky Gut-Syndrom, die Immunfunktion und systemische Entzündungsprozesse. Die Gliadin-vermittelte Überproduktion von Zonulin verursacht eine Lockerung der tight junction-Verbindungen im Darmepithel, was mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmwand („leaky gut“) einhergeht. Dies ermöglicht größeren Molekülen, die normalerweise im Darm zurückgehalten werden, in den Blutstrom zu gelangen und IgG-vermittelte Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu induzieren. Es kommt dadurch zu einer erhöhten Immunantwort, die mit der Freisetzung von proinflammatorischen Zytokinen verbunden ist, welche wiederum zur Entwicklung von depressiven Symptomen führen können (Karakula-Juchnowicz et al. 2014).

Bei depressiven Patienten ist es daher ratsam, spezifische IgG-Titer für ausgewählte Nahrungsmittel zu bestimmen. Gleichzeitig sollte auch die intestinale Permeabilität beurteilt werden, z.B. über den Marker Zonulin. Im Falle erhöhter IgG-Konzentrationen, ist die Durchführung einer Eliminations- und Rotationsdiät eine wirksame Methode zur Verringerung der Entzündung. Somit sollte die Umsetzung einer entsprechenden Diät (IgG Elimination und Rotation, (Meyer 2010)), Verwendung geeigneter Probiotika und antiinflammatorischer Naturstoffe zu einem wesentlichen adjuvanten Bestandteil der erfolgreichen Behandlung von Depressionen werden. Die Reduktion des IgG Titers im Serum der Patienten, die im Rahmen der Eliminationsdiät stattfindet, könnte als ein Hinweis auf die funktionale Wiederherstellung der tight junctions bzw. der intestinalen Integrität betrachtet werden.

Dieses neue Paradigma zur Pathogenese depressiver Störungen welches Leaky Gut, IgG-abhängige Nahrungsmittelempfindlichkeit, und systemische Entzündungsprozesse miteinander verbindet, scheint viel versprechend zu sein, muss aber noch durch eingehendere Studien bestätigt werden.

Ende der Studie

Diesen Zusammenhang sehe ich in meiner Naturheilpraxis immer wieder und finde dies neben einer gesprächsorientierten Therapie einen sehr unterstützenden Weg in der Behandlung. Aber auch ein Mangel an Vitalstoffen kann eine ergänzende Therapie sein. Über diese unterschiedlichen Ansätze ist die Depression sehr gut zu behandeln.

Quellen:

Berk, Michael et al. 2013. “So Depression Is an Inflammatory Disease, but Where Does the Inflammation Come From?” BMC medicine 11(1):200.

Karakula-Juchnowicz, Hanna et al. 2014. “The Role of IgG Hypersensitivity in the Pathogenesis and Therapy of Depressive Disorders.” 0(0):1–9 – http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1179/1476830514Y.0000000158.

Marcus, Marina, M. Taghi Yasamy, Mark van Ommeren, and Dan Chisholm. 2012. “Depression, a Global Public Health Concern.” WHO Department of Mental Health and Substance Abuse 1–8.

Meyer, R. 2010. Chronisch Gesund.

Moylan, Steven et al. 2014. “Oxidative & Nitrosative Stress in Depression: Why so Much Stress?” Neuroscience and Biobehavioral Reviews 45:46–62.